In meiner Praxis treffe ich auf unterschiedliche Menschen. Manche werden zu meinen Patienten, andere kommen nur sporadisch oder auch für eine einmalige Beratung.
Das Spektrum von Themen ist vielfältig und reicht von Angststörungen über Beziehungsproblemen und Depressionen, bis zu Übergewicht und Zielrichtung Suche. Eine Gemeinsamkeit gibt es dennoch:
sie alle möchten Ihr Leben ändern, angenehmer gestalten, sich besser fühlen und mit sich ins Einklang kommen.
Oft verändert sich das Thema, mit dem der /die Klientin in die Praxis kommt, bereits im Laufe des Erstgesprächs. Woran liegt es? Sind wir alle gleich? Und wenn zum Beispiel etwas meinem Freund /
meiner Freundin oder Bekannten geholfen hat, hilft es auch mir?
Sehr oft sehen wir das, was an der Oberfläche liegt, etwas stört uns an uns – zu viele Kilos, das Alleinsein was belastet, ausbleibender Erfolg, ständige Sorgen, Unruhen oder sogar Phobien, Schlaflosigkeit,
Fressattacken oder unkontrollierter Shoppingrausch.
Die Ursachen liegen fast immer viel tiefer, so, dass wir es nicht einfach als „schlechte Angewohnheit“ oder mangelnde Selbstdisziplin abtuen können.
Die Ursachenforschung braucht manchmal mehrere Sitzungen, aber vor allem eine innere Bereitschaft zur Selbstreflexion, inneren Arbeit sowie Mut, manches sich wieder näher anzuschauen
und auch vielleicht einigen Tatsachen mit radikalen Akzeptanz entgegen zu treten.
Um nur einige der Ursachen von diesen vielfältigen Thematiken oder wie man in der Therapie sagt „therapeutischen Aufträgen“ zu nennen, reicht das Format dieses Beitrags nicht aus. So werde ich heute
nur einige davon hier aufführen, solche, die viele meiner Klienten /Klientinnen mit dem Thema ungesunde Essgewohnheiten, Übergewicht und Shoppingsucht in meine Praxis geführt haben.
Wieso gerade diese zwei Themen? Weil die sich nur auf den ersten Blick deutlich unterscheiden, die Ursprünge sind aber öfters als gedacht dieselben.
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass wir in diesem Artikel nicht die somatischen Ursachen, solche wie hormonelle Störungen, endokrinologische Erkrankungen, bestimmte Autoimmunen Erkrankungen oder auch schwere psychische Probleme betrachten.
Keiner meiner Patienten: innen hatte zu wenig Disziplin oder zu wenig Informationen darüber was zu einer gesunden Ernährungsweise gehört, oder darüber wie die richtige Budgetierung aussieht und
dennoch scheiterten viele Versuche die eigenen Ess- oder Konsumgewohnheiten zu ändern.
Selbstverständlich ist im Bereich von Psyche zu pauschalisieren nicht ganz richtig, die meisten Ursachen liegen dennoch im emotionalen, bzw. Gefühlsbereich. Wir wollen bestimmte Gefühle vermeiden
oder umgekehrt erleben und ersetzen das durch Essen oder durch etwas was wir uns „gönnen“, sei es ein neues Handy, Handtasche oder auch exzessives Gaming.
Und ja! Im ersten Moment erleben wir ein Hoch, fühlen uns eine Weile – wenn auch ziemlich kurz – “ gesättigt“. Leider folgt danach fast immer das schlechte Gewissen und daraus resultierender Tief, aus
dem wir versuchen uns mit einer weiteren „Tüte Chips“ zu retten.
Um aus diesem Kreis auszubrechen, ist wichtig mit aller Ehrlichkeit zu sich selbst herauszufinden, was möchte ich wirklich? Noch präzisere Frage ist: „Was möchte ich fühlen?“
Oft sind das Geborgenheitsgefühl, Gefühl geliebt zu werden, auch Trost oder wie eine Patientin sagte: „Ich habe deutlich verstanden, dass ich in den Arm genommen werden möchte“, dennoch
anstatt ihren Partner zu umarmen oder sich von ihm umarmen zu lassen, schob sie das nächste Stück Schokolade in den Mund.
Bei manchen anderen ersetzt das Essen, besonders bestimmte Speisen, oder eine Shoppingtour ein Gefühl vom Fest. Zum Beispiel, wenn es in der Herkunftsfamilie Süßigkeiten, bestimmte Speisen etc. nur
zum Geburtstag, oder Weihnachten gab und sonst eher nicht, rationiert, oder sogar (aus besten Absichten) verboten wurden, wird oft das Kind in uns ziemlich „unvernünftig“.
Leider verfliegt das Gefühl sehr schnell, oder kommt gar nicht auf. Das schlechte Gewissen kommt aber gewiss. Dann tröstet man sich wieder.
Auch wenn wir das Gefühl des Wohlstands vermissen, oder anders formuliert das Gefühl in Mangel zu leben, überdecken wollen, gönnen wir uns oft viel zu viel an falscher Stelle. Die antrainierte
automatische und unbewusste „Logik“ sagt uns, dass wir uns „zumindest“ das leisten können – also eine Packung Pralinen, Kekse oder auch mehrere Pizzen oder Pasta und vielleicht noch einen
Lippenstift oder Nagellack, schaltet unser Vernunft ab.
Gibt es denn überhaupt Abhilfe? Ja, auf Jeden Fall!
Allerdings helfen die Hauruck Aktionen herzlich wenig und extrem selten. Gerade weil die Ursachen tiefer liegen und meist gar nicht angetastet werden.
Der Weg der kleinen Schritte hilft viel nachhaltiger eigene Lebensweise zu ändern, andere Gewohnheiten zu etablieren und nach und nach eigene Resilienz, Lebensqualität und Gesundheit zu
verbessern. Was können Sie selbst tun?
1.) Achtsamkeit im Alltag praktizieren
Es geht dabei nicht darum Stunden lang zu meditieren, viel mehr spreche ich vom bewussten „wach werden“. Möchte ich z.B. meine Essgewohnheiten verbessern, soll ich vor dem Teller „aufwachen“,
also sich fragen, ob es tatsächlich das ist, was ich gerade jetzt brauche und will? Und dann achtsam essen: Geschmack, Geruch, Textur von Speisen bewusst wahrnehmen.
Nach und nach lernen wieder mit dem eigenen Körper zu sprechen, vor allem ihn wieder zu hören.
2.) Selbstreflexion und Selbstinstruktion
Wenn das erste ab und zu praktiziert wird, das zweite geschieht meist unbewusst und, „in die falsche Richtung“.
Anstatt sich zu beruhigen, sich Mut zuzusprechen oder zu sich (als Beispiel) zu sagen „Wenn ich nächstes Mal bei meiner Lieblingspizzeria bin, nehme ich nicht das Angebot „Zweite Pizza 50% Rabatt“ an, da mir eigentlich nur eine Pizza reicht. So spare ich tatsächlich noch Geld und zahle nicht die Hälfte des Preises für den unnötigen Ballast, den mein Körper dann noch mit Müh und Not verarbeiten muss.
3.) Stress abbauen und Entspannung in den Alltag einbauen.
Hier spreche ich auch nicht von den Zeitaufwendigen Aktionen, sondern von teilweise sehr kurzen Momenten, die jeder imstande wäre in den Alltag aufzunehmen.
Solche wie Atemübungen – bei denen reichen oft nur 5 Minuten!
Besonders wirksam vor der Entscheidung ob ich der „Verführung“ meiner Angewohnheit nachgebe oder widerstehe.
Oder eine Session von Progressiven Muskelentspannungen, zuhause am Abend oder vor dem Schlafengehen. Benötigt meist nicht mehr als 20 Minuten und bringt sehr viele gesundheitliche Vorteile.
Spazierengehen und Bewegung allgemein hilft uns den Kopf frei zu bekommen und wieder „den Körper“ zu spüren.
4.) Tatsächlich eine :n Therapeut: in/ Berater: in zu finden.
Zusammen kann man besser und schneller Ursachen finden und sie bearbeiten.
In unserer Zeit haben wir einen breiten Auswahl an Möglichkeiten: Lifecoaches, Ernährungstherapie, Hypnose.
Jede dieser Methoden funktioniert, es ist aber sehr wichtig das auszusuchen, was dem eigenen Wesen mehr entspricht.
Zum Beispiel bearbeitet man in der Hypnose sowohl Ursachen als auch Verhaltensweisen, deswegen kann diese Art von Therapie sehr wirksam sein und bedarf nicht sehr viele Sitzungen.
Fazit: Um nachhaltige Veränderungen in das eigene Leben zu bringen, reicht manchmal nur eine Innere Bereitschaft nicht.
Vielmehr braucht man Selbstzuwendung, jeden Tag kleinere Erfolge feiern, zu sich selbst netter werden, achtsamer durch den Tag gehen und sich auch mal Hilfe von Fachleuten zu holen.

